on 27. Dezember 2008 by guest1 in Laufnews, Comments (0)

Haile Gebrselassie: Besuch beim 10000-m-Doppel-Olympiasieger, der an diesem Sonntag in Amsterdam gern Marathon-Weltrekord liefe

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Haile : Besuch beim 10000-m-Doppel-Olympiasieger, der an diesem Sonntag in Amsterdam gern -Weltrekord liefe

 

 : Besuch beim 10000-m-Doppel-Olympiasieger, der an diesem Sonntag in Amsterdam gern Marathon-Weltrekord liefe und für 2006 zu einem Trainingscamp einlädt

Für äthiopische Verhältnisse bewohnt Haile Gebrselassie ein Märchenschloss, nicht weit von seiner Trainingsstrecke auf den Entoto-Hügeln, am Rande der höchsten Stadt Afrikas. Schaut er von dort hinunter, liegt ihm Addis Abeba zu Füßen, was, wie wir bald spürten, nicht nur geographisch so ist. Einem anderen würden viele Äthiopier, die oft noch in bitterer Armut leben, solch einen Reichtum neiden, ihm, »ihrem« Haile, niemals. Der zweimalige Olympiasieger über 10000 Meter und vielfache Weltmeister ist für sie ein Heros, der höchstens mit Abebe Bikila verglichen wird, jenem Mann, der den olympischen Marathon zwei Mal gewann und nach einem Autounfall zu früh verstarb. Doch unantastbar ist er für keinen. Als wir ihn dort oben auf der Straße trafen, ließ er uns und seinen Mercedes urplötzlich stehen, weil er einem Kind helfen wollte, das hingefallen war.
In sein Wohnhaus hatte Haile Gebrselassie unlängst eine 20-köpfige Läufergruppe aus Deutschland eingeladen, der ersten übrigens, die eine Reise zu einem Marathon in Addis Abeba antrat. Das hatte ihn sehr beeindruckt, und nun bewirtete er sie mit seiner Frau und den drei Töchtern mit landestypischen würzigscharfen Speisen in seinen stilvollen Räumen, an deren Wänden äthiopische und internationale Gemälde ebenso auffielen wie bedeutende Zertifikate, Medaillen und Pokale. Zeit für Fragen, die er geduldig und, wie man ihn kennt, immer lächelnd, beantwortete.

In diesem Jahr gab es eine Weltmeisterschaft in Helsinki ohne Haile, ein Verlust für Äthiopien?
Haile Gebrselassie: Ich glaube nicht. Wir haben uns als Laufnation Nr. 1 behauptet. Und mit Kenenisa Bekele habe ich einen großartigen Nachfolger gefunden. Selbst wenn ich gewollt hätte, nach Helsinki zu reisen, nach meiner Achillessehnen-Operation im September vorigen Jahres musste ich kürzer treten. In London nahm ich statt des geplanten Marathons nur das Startzeremoniell wahr und lief danach ein 10-km-Rennen.

Wie wir hören, trainieren Sie zur Zeit in der Woche bis zu 270 km – Vorbereitungen für die Marathondistanz?
Es ist ja kein Geheimnis, dass ich auf den Marathon umgestiegen bin. In Amsterdam will ich dabei sein (an diesem Sonntag – d. R.).

Sie sind bereits vor drei Jahren mit 2:06:35 in die Weltspitze eingedrungen. Danach wieder verschiedene Strecken, und nun endgültig Marathon?
Ich bin 32 Jahre alt, habe über 10000 Meter alles Mögliche erreicht, meine Landsleute siegen bei den Frauen und Männern über alle langen Strecken – nur im Marathon nicht.

Sie möchten demnach in die Fußtapfen des legendären Abebe Bikila treten?
So würde ich gern meine Laufbahn abschließen, nur zwei Mal wie er werde ich wohl keine Goldmedaille erringen.

Sie wollen also am 16. Oktober auf der als flach bekannten Marathon-Strecke in Amsterdam starten. Das riecht nach Weltrekord?
Warum nicht. Ein Weltrekord sollte immer das Ziel sein. Aber ich sage mal, wenn es in Amsterdam nicht klappt, dann eben 2007.

Zum Beispiel beim Berlin-Marathon?
Den könnte ich mir gut vorstellen, er ist auch schön flach, doch entscheiden wird das in letzter Instanz mein Manager Jos Hermens.

Frau Alem ist der Boss

Das zweite Gespräch mit dem nur 1,65 Meter großen, immer freundlichen und ausgeglichenen Mann, dessen Vorname mit »Meine Macht« zu übersetzen ist, fand in seinem elfstöckigen Geschäftshaus in der Bole Road, im Zentrum von Addis Abeba, statt. Es wird auch »Alem Building« genannt, nach seiner Frau Alem, von der er sagt, dass sie »hier der Boss« ist. Inzwischen wächst nebenan bereits ein zweites »Alem-Hochhaus« heran. Zu erkennen sind ein Fitness-Center, ein großer Sportshop, ein Kino, Cafés, ein Restaurant, viele Büro- und Repräsentationsräume. Untermieter wie die Fluggesellschaft »Ethiopian Airlines« fühlen sich hier scheinbar sehr wohl. 180 Arbeiter und Angestellte werden zur Zeit von den Gebrselassies beschäftigt – sowohl in dem Doppel-Building als auch beim Bau von Geschäfts- und Häuserzeilen in Addis Abeba, das zu einem großen Teil noch von Wohn- und Markthütten geprägt ist. Haile ist, und da macht er keinen Hehl daraus, Millionär. Für viele ist er auch ein Hoffnungsträger für die Parlamentswahlen 2010, und viele würden ihn, wie man hier und da hörte, gern einmal als Präsidenten ihres Landes sehen.

Sie sind mit Ihrem Geld, vor allem bei vielen Rennen in Europa erworben, in Ihrem Heimatland geblieben?
Ich habe das meiste Geld sofort wieder in Äthiopien investiert, in Gebäude in Addis Abeba, in Schulen auf dem Lande, für Aktionen gegen Aids und Armut. Ich wollte immer etwas für die Menschen in meinem Lande tun, für die ich mich inzwischen wie ein Botschafter fühle. Für mich ist Äthiopien mit seiner kulturvollen Geschichte, seinen Nationalparks und eben den Menschen das schönste Land der Welt.

Bekanntlich haben Sie auch für alle Landsleute ins Leben gerufen, die nun einmal nicht zur Weltspitze gehören.
In diesem Jahr versuchten wir es erfolgreich mit einem »Race for Girls«. 7000 Frauen und Mädchen folgten unserem Aufruf.

Seit ein paar Jahren ist der »Great Ethiopian Run« bekannt, ein 10000-Meter-Straßenlauf, initiiert von Ihnen, dem 10000-m-Olympiasieger.
Er findet immer mehr Anklang. Ende November vorigen Jahres joggten durch die Bole Road 20000 Leute, jetzt haben wir die Teilnehmerzahl auf 25000 begrenzt. Wir freuen uns sehr über diese Resonanz. Sie sollten das selbst sehen. Kommen Sie doch auch einmal mit einer deutschen Gruppe zu unserem »Great Run«!

»Eile mit Haile«

Unsere dritte Begegnung endete dann mit einer konkreten Abmachung. Zum »Great Ethiopian Run« im November 2006 wird Haile Gebrselassie für interessierte , gleich welcher Leistungskategorie, ein Höhentrainings-Camp am Rande von Addis Abeba ausrichten, assistiert von einem deutschen Trainer. Dort kann sich jeder, der Lust hat, auf den 10 km in Addis Abeba mit 25000 Äthiopiern messen und auch das zentralafrikanische Land kennen lernen. Quasi nach dem Motto: »Eile mit Haile«.
PS: Übrigens auch das war Gebrselassie bei unserem Addis-Abeba-Besuch. Ihn schien alles zu interessieren, was in Berlin so geschieht. Und als er hörte, das in Berlin-Lichtenberg ein bedeutendes Giebelwandbild aus Nikaragua gerettet wird, griff er zu seiner Geldbörse und spendete 500 Birr, das ist ein halbes äthiopisches Lehrergehalt.

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