Dopingsumpf Österreich: Aufdecker Lilge muss gehen, Pumper kommt | LAUFPORTAL

on 1. Oktober 2009 by laufsport in Laufnews, Comments (1)

Dopingsumpf Österreich: Aufdecker Lilge muss gehen, Pumper kommt

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Dopingsumpf Österreich: Aufdecker Lilge muss gehen, Pumper kommt
Am 9.3. lieferte Susanne Pumper beim „Eisbärlauf“ ihres Vereins (LCC-Wien) ihre erste positive Dopingprobe ab, wohin Wilhelm Lilge ein Kontrollteam beorderte, „weil er sich Klarheit verschaffen wollte“. Klar war ihm damals auch: „Ich muss mit meiner Kündigung rechnen“. Beim in Linz am 13.4. folgte dann ein weiteres positives Testergebnis von Pumper. LCC-Präsident Dr. Peter Pfannl meinte schon damals: „Natürlich schmeiß ich deswegen den Lilge hinaus, aber nicht gleich, weil das eine ungute Optik wäre…“
Lilge koordiniert beim LCC, einem der größten LA-Vereine Österreichs , den sportlichen Bereich, führt selbst eine erfolgreiche Nachwuchsgruppe und organisiert die zahlreichen Veranstaltungen „im Rahmen der von Dr. Pfannl abgesteckten Möglichkeiten“, wie den großen Silvesterlauf auf der Ringstraße. Er gilt als absolut kompromissloser Dopinggegner, was ihm nicht nur Freunde beschert hat.
Organisatorisches Doppelspiel
In den letzten Wochen verdichteten sich nun Anzeichen, dass die vom ÖLV suspendierte Susanne Pumper im Hintergrund mit Peter Pfannl im Bereich der LCC-Veranstaltungen kooperiert. Lilge: „Als ich bei Verhandlungen mit unserem Lieferanten für die finisher T-shirts für unseren Herbstmarathon am 26.10. mitbekommen habe, dass offensichtlich Pumper im Auftrag von Pfannl parallel mit der gleichen Firma verhandelte, wurde es mir zu blöd. Ich habe bei Dr. Pfannl unmissverständlich deponiert, dass ich für solche doppelte Spielchen nicht zu haben bin und er sich entscheiden muss, wie er grundsätzlich nun zu Doping steht. Er wird wohl auch verstehen, dass ich sicher nicht mit einer Fr. Pumper zusammenarbeiten werde. Daraufhin hat er mich am 30.9. zu einem Gespräch gebeten und mir die Kündigung überreicht – offiziell aus Einsparungsgründen – dazu auch gleich die Kündigung meiner Frau Carina Lilge-Leutner, die ebenfalls beim LCC teilzeitbeschäftigt ist und auch sportlich zu einer der wichtigsten Leistungsträgerinnen des Vereins zählt.“
Wie die organisatorische Situation beim Herbstmarathon wird, wo über 1000 Läufer erwartet werden, ist unklar, ebenso beim Silvesterlauf (ca. 4000 Teilnehmer), der am 31.12. und damit genau am letzten Arbeitstag von Lilge innerhalb der Kündigungsfrist stattfindet. Interessant wird auch die Reaktion der Läufer sein, wenn sie draufkommen, dass sie sich unwissentlich zu einer von Fr. Pumper mitorganisierten Veranstaltung angemeldet haben. Beim vor einigen Wochen durchgeführten „Allergielauf“ im Rahmen eines Ärztekongresses haben die Zuständigen (v.a. Pumpers Lauffreund Dr. Valenta, der ihr auch Entlastungsgutachten besorgen wollte) Fr. Pumper jedenfalls schnell aus der Ausschreibung entfernt, als Ungemach drohte und sogar der ÖLV andere Athleten offiziell vor einer Teilnahme warnte.
Während in Deutschland aktuell z.B. Michael Holczer, der Leiter des Rennstalls des nun überführten Kohl-Zimmerkollegen Stefan Schumacher, seinen Sportler sofort suspendierte und nun wegen Betrugs „bis zum letzten Cent“ klagen will – seine eigene Heuchelei sei einmal dahingestellt – ticken in Österreich die Dopinguhren etwas anders. „Eigentlich unglaublich, bei uns ist das ungefähr so, wie wenn man den anständigen Polizisten und nicht den Bankräuber bestraft“, zieht Lilge einen drastischen Vergleich. Mutmaßliche Doper würden nach wie vor sogar bevorzugt behandelt werden, z.B. dürfe Fr. Pumper zu Zeiten im Happel Stadion trainieren (was sie immer noch tut), während andere ehrliche Sportler draußen bleiben müssten.
Auffällige Dopingdichte beim LCC-Wien
Positiv auf verbotene Substanzen getestet wurden neben Pumper zuletzt auch Ex-Europameisterin Helena Javornik, 800m Hallenweltrekordinhaberin Jolanda Ceplak und auch die Triathletin und Läuferin Lisa Hütthaler (inkl. Bestechungsvorwurf), die alle, entgegen anderer Aussagen, noch immer zumindest am Papier LCC-Mitglieder sind wie auch Sprinterin Bettina Müller, die schon ihre Dopingsperre abgesessen hat.
Die endgültige Entscheidung im Fall Pumper steht noch aus. Ihr Fall wurde erst vor einigen Wochen auf Verlangen ihrer Anwälte dem ÖLV entzogen und wird nun von der Rechtskommission der NADA neu aufgerollt. „Es ist eigentlich schon egal, wie dort ein paar Juristen den Fall mithilfe umfangreicher Gutachten entscheiden. Ich habe noch niemanden getroffen, der ernsthaft glaubt, dass Pumper nicht gedopt hat. Wo will sie denn starten und wer will gegen so jemanden antreten?“, meint Lilge zum leidigen Thema. „Bei der Tour de France haben sie die Dopingsünder gleich mit dem Polizeiauto abgeführt und in Peking wurden die Betrüger schon ein paar Tage später gesperrt, bei uns wird monatelang herum diskutiert und dann erzählen uns die Politiker, welches vorbildliche und effiziente Antidopingsystem wir haben. Dabei wird das Geld weiter rausgeschmissen für Alibiaktionen, massenweise Tests bei den Falschen und einen NADA-Geschäftsführer, der zur Einschulung erst seinen eigenen Vorgänger bei sich anstellen muss.“
Keine Verbitterung, Aufwind für die Leichathletik
Was er nun selbst weiter machen werde? „Ich kämpfe nun seit mehr als 20 Jahren bei allen Gelegenheiten gegen Doping, habe deshalb viele Probleme auf mich genommen und werde mich jetzt nicht in die Reihe der Opportunisten und Schleimer einreihen. Im Sport, insbesondere im Ausdauersport und in der Leistungsdiagnostik , kenne ich mich am besten aus, dieses know how möchte ich auch für Hobby- und Spitzensportler einsetzen. Ich bin nicht verbittert, sondern sehe nun die Chance, meine Energien endlich ungehindert für die ehrlichen Sportler einzusetzen. Es gibt mehrere Optionen, mit einem ganz konkreten Projekt möchte ich aber die Österreichische Leichtathletik wieder erfolgreicher machen, und das ohne den Dopingklotz am Bein. Ich mache Dr. Pfannl persönlich sicher keinen Vorwurf, er hat soviel in die Leichtathletik investiert wie kein anderer, großteils unbedankt. Er hat leider einige Damen in seinem Umfeld, u.a. auch Stephanie Graf, die sich aus Eigeninteresse nicht als die besten Einflüsterer erwiesen haben…“

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1 Kommentar

  1. lauflinks

    lauflinks

    23. November 2009 @ 21:20

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