on 29. November 2008 by guest1 in Laufberichte, Kommentare deaktiviert
Susanne Pumper lief Bestzeit (1:13:20), verpasste aber das WM-Limit. Fehlende Markierungen, Stau und Unfall erhitzten Gemüter
Über ein Motorrad “gestolpert” und doch Rekord gelaufen
VON MARKKU DATLER (Die Presse) 23.05.2005
Susanne Pumper lief Bestzeit (1:13:20), verpasste aber das WM-Limit. Fehlende Markierungen, Stau und Unfall erhitzten Gemüter.
WIEN. Die Uhr tickte gnadenlos. Wie immer. Doch Susanne Pumper gab auf den letzten Metern noch einmal alles, sie “pumpte” sich auf der Zielgeraden sozusagen noch einmal aus. Kaum hatte sie die Ziellinie überquert, brandete Applaus auf, prasselten Beifalls-Salven auf sie nieder. Denn sie hatte eines ihrer großen Ziele erreicht, für 21,1 Kilometer 1:13:20 Stunden benötigt und damit die bestehende Bestmarke, gehalten von Eva-Maria Gradwohl, um fünf Sekunden unterboten. Pumper war vor Freude außer sich, lief noch einmal den Heldenplatz auf und ab, drehte eine Ehrenrunde und erhielt einen Blumenstrauß von ihrem Papa. “Ich bin die ersten fünf Kilometer zu schnell angegangen”, gluckste sie. “Den Rekord habe ich mir erst auf dem letzten Kilometer geholt. Ich wusste, dass er möglich ist. Wenn, dann geht es nur in Wien!”
Doch so schön der neue ÖLV-Rekord auch glänzte, so sehr trübte das verpasste WM-Limit (1:13) die allgemeine Stimmung. Lange lag sie klar auf WM-Kurs, hatte das Ticket für Montreal (1. Oktober) bereits in der Tasche. Doch die Passage bei Kilometer 10 (MAK) sollte all ihre Träume wie eine Seifenblase zerplatzen lassen. Langsameres Marathon- und antrabendes Halbmarathon-Feld stießen zusammen, es kam zu einem “Menschen-Stau”, nichts ging mehr. Pumper grollte: “Ich bin gestanden. Und wenig später bin ich sogar über ein Motorrad drüber geflogen!” Unvorstellbar. Gott sei dank verlief der Crash glimpflich.
Doch für die Organisation eine peinliche Panne, die einem “Marathon in einer Millionenstadt” nicht passieren hätte dürfen. Doch Zeit-Koordination, Lauftempo und Baustelle machten einem sonst perfekten Event da ein dicken roten Strich durch die Erfolgsrechnung! Denn wird ein Athlet einmal aus seinem Rhythmus gebracht, es ist in vielen Sportarten so – aber nirgends so schwerwiegend wie im Laufsport, ist es mit Tempo, Gefühl, richtiger Frequenz, Puls und Atem etc. vorbei. Trainer Helmut Stechemesser, einst Steffi Grafs Antreiber und seit Pumpers Entschluss, von der Bahn auf die Straße (Endziel Peking 2008) zu wechseln, der Motivator der Wienerin, sprach gar von einer “Katastrophe! Sie lief anfangs entsprechende Kilometerzeiten, nach dem Stopp nicht mehr!” Wie auch, so Stechemesser weiter, da sein Schützling statt der erwarteten und von den Organisatoren vorhergesagten 200 nun gut 1000 Läufer überholen musste. “Auf dem Ring war es anschließend auch ein Chaos – über sechs Kilometer. Sie hörte nicht einmal mehr das Hupen des Begleitfahrzeuges. Da hat sie weitere, wichtige Sekunden verloren. Schade!” Und einmal in Fahrt gekommen, beklagte er gleich auch noch das Fehlen der Kilometer-Markierungen. Für einen Halbmarathon doch unverzichtbar. Stechemesser: “Zu wenige Informationen, zu wenig Orientierung!”
Dass Susanne Pumper dennoch Rekordzeit auf Wiens Asphalt trommelte, stimmte den strengen Betreuer jedoch zuversichtlich. Schließlich fehlten dem Blondschopf trotz “Stau, Chaos und Unfall” letztlich nur 20 Sekunden. Pumper habe bei ihrem Debüt alle Strapazen (Wind, Temperatur) weggesteckt und gezeigt, dass sie es wirklich ernst meine und auch das Zeug dazu besitze, sich im Langstreckensport zu etablieren. Daher wolle er das WM-Limit auch noch nicht abschreiben, “in sechs bis acht Wochen versuchen wir es noch einmal!” Auch ein Europacup-Meeting gibt es noch. Schauen wir mal.”
Tags: halbmarathon, koordination, lauf, Laufen, Läufer, Laufsport, marathon, steffi graf, susanne pumper, vienna city marathon
Keine Kommentare